Der große Tag steht bevor: eine anstehende Prüfung, ein Vorstellungsgespräch oder die erste Live-Moderation im Fernsehen. Die Freude auf diese Ereignisse wird häufig von Lampenfieber überschattet. In einem dreiteiligen vitafil-Interview erklärt Dr. Michael Bohne (einer der erfolgreichsten Auftrittscoaches Deutschlands und Buchautor) wie Lampenfieber entgegengewirkt werden kann.
Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn Lampenfieber auftritt?
Dr. Bohne: Im schlimmsten Fall kann die betroffene Person eine so starke Angstreaktion bekommen, so dass der Körper massiv mit Zittern, trockenem Mund und Panik reagiert, so dass keine verwertbare Leistung mehr gebracht werden kann. Dann kann es zum Beispiel passieren, dass Profimusiker so schlecht spielen oder Opernsänger so schlecht singen, dass man nicht glauben kann, dass sie Profis sind.
Gibt es Menschen, die besonders zu Lampenfieber neigen?
Dr. Bohne: Ja in jedem Fall. Wenn jemand gelernt hat, dass er nur liebenswert ist, wenn er Leistung bringt, dann ist ja jede Leistungssituation mit der Gefahr verbunden, bei Versagen nicht mehr anerkannt und geliebt zu werden. Das macht natürlich Angst. Generell kann man auch sagen, je geringer das Selbstwertgefühl, desto höher vermutlich die Auftrittsängste. Wenn Menschen in einem ängstlichen Umfeld aufgewachsen sind, dann haben sie sich an den Ängsten der anderen vermutlich angesteckt. Ich spreche dann immer etwas humorvoll formuliert von Emokokkeninfektionen. Wenn man immer Bedenkenträger in seinem Umfeld hatte, kommt es auch zu sogenannten Kognokokkeninfektionen, man infiziert sich dann an den angstmachenden und limitierenden Gedanken der anderen. Generell gilt auch, je perfektionistischer jemand ist, desto größer die Gefahr, dass er Auftrittsstress bekommt. Je mehr man von anderen gut gefunden werden will, desto gefährlicher kann ein Auftritt erlebt werden, da eine Ablehnung wiederum das Selbstwertgefühl schwächen würdet.
Was kann man gehen Lampenfieber tun?
Dr. Bohne: Die Erfahrung zeigt, dass es neben einer genauen Analyse, wie sich jemand den Stress macht, sinnvoll ist, auf drei Ebenen etwas zu unternehmen:
1. Ein Selbstwerttraining durchführen.
2. Eine effiziente Stressreduktionstechnik erlernen - zum Beispiel die Klopftechnik der Energetischen Psychologie beziehungsweise der PEP (Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie).
3. Den Aufmerksamkeitsfokus auf etwas Zieldienliches richten und nicht an mögliches Scheitern denken. Insgesamt muss gesagt werden, dass jemand, wenn er Angst vor einem Auftritt hat, diesen als subjektive Gefahr erlebt. Erst, wenn er den Auftritt als positive Chance verstehen kann, wird er ihn auch genießen können.
Interview: Franziska Kremtz
Teil 3 des Lampenfieber-Interviews:
http://www.vitafil.de/8874/lampenfieber-auftrittsstress-ist-leider-noch-ein-tabu-thema
Teil 1 des Lampenfieber-Interviews:
http://www.vitafil.de/8711/lampenfieber-eine-klassische-kampf-oder-flucht-reaktion
Mehr über Dr. Michael Bohne erfahren Sie unter: www.dr-michael-bohne.de










