Von Gymnastik bis Golf: Arthrose & Sport schließen sich nicht aus

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Vor allem ältere Menschen kennen das Problem: Die Bewegungen im Alltag fallen schwerer. Die Gelenke wollen nicht mehr so richtig. Schuld ist in den meisten Fällen eine Arthrose. Vitafil sprach darüber mit dem Berliner Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rheumatologie Dr. Martin Talke, der bei der KV-Sprechstunde im Januar dazu referierte.

Laut Definition ist Arthrose ein “Gelenkverschleiß”, der das altersübliche Maß übersteigt. Was ist denn das altersübliche Maß?
Dr. Talke:
Das Risiko des Gelenkverschleißes nimmt mit zunehmendem Alter zu. Je nach Grad des Knorpelabriebs spricht man von beginnender oder fortgeschrittener Arthrose. So gibt es verschiedene Grade der Arthrose. Die Einstufung richtet sich dabei immer nach dem Röntgenbild und dem persönlichen Schmerzempfinden der Patienten. Wenn Schmerz und Entzündungszeichen zu dem Bild der Arthrose hinzukommen, dann spricht man von einer aktivierten Arthrose und dieses Stadium ist es, welchen dann spätestens die Patienten zum Arzt führt.

Wie viele Menschen haben Arthrose?
Dr. Talke:
Man kann davon ausgehen, dass 80 bis 90 Prozent der über 65-Jährigen und 100 Prozent der über 75-Jährigen eine Arthrose haben. Dabei ist es ganz unterschiedlich, ob die Betroffenen stark, weniger oder überhaupt nicht darunter leiden.

Wie entsteht Arthrose?
Dr. Talke:
Es gibt angeborene Fehlstellungen der Arme und Beine sowie der Wirbelsäule, die zu späterem Gelenkverschleiß führen können. Es gibt darüber hinaus viele andere Faktoren, die eine Arthrose begünstigen: So spielt auch die Form der Lebensführung, wie Übergewicht und Ernährungsfehler eine Rolle. Ebenso haben Bewegungsmangel, berufliche Überlastung und sportliche Extrem- oder Dauerbelastungen Einfluss auf den Gelenkverschleiß. Weiterhin gibt es auch unfallbedingte Gelenkschäden oder Spätfolgen nach entzündlichen Gelenkerkrankungen, die in einer Arthrose enden können.

Kann Arthrose vorgebeugt werden?
Dr. Talke:
Prinzipiell ist Laufen gut für die Menschen, die gesunde Gelenke haben. Aktive Bewegung ohne Belastung, also ohne Gewicht, ist in jedem Alter gut. Auch eine gesunde Ernährung gegen Übergewicht, die Vermeidung beruflicher Überlastungen und sportlicher Fehlbelastungen sind wichtig. Im Kindesalter können X-Beine durch Spreizhosen, Schuheinlagen und Schienen korrigiert werden. Auch mittels Ergotherapie kann Arthrose vorgebeugt werden.

Kommt Arthrose nur bei älteren Menschen vor?
Dr. Talke:
Nein, auch junge Leute können (Gott sei Dank sehr selten) Arthrose haben. Vor allem durch sitzende Tätigkeiten im Beruf und weniger Bewegung in der Freizeit wird die Wirbelsäule verstärkt belastet, was zu einer Arthrose in diesem Bereich führen kann.

Welche sportlichen Aktivitäten sind bei Arthrose zu empfehlen?
Dr. Talke:
Gymnastik, Radfahren, Walking, Aqua-Jogging, Rudern, Ski-Langlauf und Standard-Tänze sind bei Arthrose geeignet. Bei einer Hüftgelenksarthrose sind vor allem Schwimmen und Golf passende Sportarten – bei einer Kniegelenksarthrose das Schwimmen im Kraul-Rücken-Stil. Das bedeutet natürlich nicht, dass sich jede dieser Sportarten bei jedem Arthrose-Patienten eignet. Das hängt vor allem vom persönlichen Schmerzempfinden des Einzelnen ab. Das muss jeder für sich ausprobieren. Wichtig ist, dass die Ausführung des Sports keine Schmerzen verursacht.

Wie kann Arthrose behandelt werden?
Dr. Talke:
Bei einer beginnenden Arthrose können erst einmal physikalische Maßnahmen angewendet werden – also beispielsweise Wärme, Kälte, Strom, Licht oder Massagen. Bringt das nicht die erhoffte Linderung, werden in der Regel Krankengymnastik und Medikamente eingesetzt. Weiterhin gibt es auch Arthrose lindernde Injektionen in das betroffene Gelenk. Bei einer starken Art hrose wird oft eine Operation als letzte Behandlungsmöglichkeit empfohlen. Dabei gibt es drei Methoden: gelenkerhaltend (Zum Beispiel Arthroskopie = Gelenkspiegelung), gelenkversteifend (wird nur noch sehr selten angewendet) und gelenkersetzend, d.h. es werden künstliche Gelenke eingesetzt, sodass die Gelenke nicht mehr schmerzen und dadurch die Beweglichkeit wieder verbessert wird.

Interview: Franziska Kremtz


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