Blasenentzündung: Kälte kann Bakterien die Tür öffnen

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Vor allem bei frostigen Temperaturen leiden besonders Frauen vermehrt an einer lästigen Blasenentzündung. Schuld sind allerdings Bakterien und nicht die Kälte allein. Vitafil sprach darüber mit Dr. med. Wolfgang Bühmann, Facharzt für Urologie und Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V..

Wodurch entsteht eine Blasenentzündung?
Dr. Bühmann: Eine Blasenentzündung entsteht durch das Eindringen von Bakterien und deren Vermehrung in der Blase. Das geschieht bei Frauen sehr viel häufiger als bei Männern, durch die kürzere Harnröhre. Ursache der Entzündung ist fast immer eine örtliche Abwehrschwäche – wie bei einem “Schnupfen”. Das kann zum Beispiel aufgrund einer Unterkühlung – durch das Sitzen auf kalten Steinen oder das Tragen eines nassen Badeanzugs – passieren. Eine Partnerinfektion beim Geschlechtsverkehr ist selten und entsteht meistens nicht durch die Übertragung der Bakterien vom Mann auf die Frau, sondern durch das Eindringen der Scheidenbakterien in die Blase aufgrund einer mechanischen Reizung beim Verkehr.

Wieso denken viele Menschen, dass eine Blasenentzündung von kalten Füßen oder von einer nicht ausreichend warm gehaltenen Nierenregion kommt?
Dr. Bühmann: Das ist nicht ganz falsch. Auch kalte Füße können die Abwehr schwächen. Durch die Kälte werden die Durchblutung der Harnwegsregion und somit die örtlichen Abwehrkräfte verringert. Das begünstigt eine Entzündung.

Wie kann man einer Blasenentzündung vorbeugen?
Dr. Bühmann: Man sollte die Nieren- und Blasenregion warmhalten, nasse Badekleidung ablegen und den direkten Kontakt zu kaltem Untergrund meiden. Aber auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig: 80% aller Harnwegsinfekte heilen alleine durch ausreichende Trinkmenge – allerdings mit längerer Heilungszeit und Schmerzen als bei antibiotischer Behandlung. Ein gesunder Erwachsener sollte 2 – 2,5 Liter pro Tag trinken. Vor allem Frauen schaffen das selten. Übrigens spielt die Art der Flüssigkeit eine untergeordnete Rolle.

Wie muss eine Blasenentzündung behandelt werden?
Dr. Bühmann: Viel trinken ist wichtig. Bei Schmerzen – übrigens ist Blut im Urin bei einer Blasenentzündung nicht selten – sollte durch einen Urologen der Urin untersucht und gegebenenfalls eine antibiotische Behandlung eingeleitet werden. Oft kann man die Behandlung auf ein oder zwei Tage beschränken, dazu sollten aber Rat beim Urologen gesucht werden.

Was passiert, wenn eine Blasenentzündung nicht behandelt wird?
Dr. Bühmann: Sie kann länger dauern, sehr lästig sein und gegebenenfalls durch Aufsteigen der Bakterien in die Nieren zu einer Nierenbeckenentzündung mit Fieber und starkem Krankheitsgefühl führen – eine durchaus ernste Erkrankung. Zudem kann eine Blasenentzündung wiederkehren beziehungsweise “chronisch” – also dauerhaft – werden und das Immunsystem des Körpers schwächen. Also: kleine Ursache, große Wirkung – deshalb sollte rechtzeitig ein Urologe aufgesucht werden, um das kleine Übel zu beheben, bevor es ein großes wird.

Interview: Franziska Kremtz


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