Volkskrankheiten der Deutschen (2): Herz-Kreislauf

Diabetes, Depression, Bluthochdruck: Volkskrankheiten sind auf dem Vormarsch. Auf ihrer Spur sind derzeit Leipziger Forscher: Bis 2013 sollen 25.000 Bundesbürger, krank oder gesund, freiwillig untersucht werden. Das Mammutprojekt „LIFE“ findet im Forschungszentrum für Zivilisationskrankheiten auf dem Medizin-Campus statt. Anlass für vitafil, die fünf größten Volkskrankheiten zu beleuchten. Woran leiden die Deutschen? Teil 2: Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bis zum 30. November wollen die bundesdeutschen Herzwochen in einer umfassenden Kampagne aufklären.

Sie sind die Todesursache Nummer 1: Erkrankungen des Herz-Kreislaufs. 42 Prozent der bundesweit insgesamt rund 855.000 Todesfälle im vergangenen Jahr wurden durch Herzinfarkte oder Krankheiten wie Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinsuffizienz verursacht. Damit liegen diese Erkrankungen noch vor dem Krebsleiden, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Mehr noch: Sie sind die häufigste Todesursache in den westlichen Industriestaaten.

 

Die Erkrankungen

Die Kreislauf-Erkrankung umfasst sämtliche Krankheiten des Herzens, dazu gehören Erkrankungen des Blutkreislaufs sowie der Blutgefäße, der so genannten Arterien. Zu diesen Krankheiten zählen:

Angina Pectoris

Arteriosklerose

Bluthochdruck

Durchblutungsstörungen

Herzinfarkt

Herzinsuffizienz (Herzschwäche)

Herzmuskelschwäche

Herzrhythmusstörungen

Niedriger Blutdruck

Schlaganfall

 

Symptome

Bemerkbar machen sich Herz-Kreislauf-Beschwerden häufig durch:

Kaltschweißigkeit

Kopfschmerzen

Körperliche Schwäche

Kurzatmigkeit

Herzrasen, Herzstolpern

Ohnmachtsanfälle

Schmerzen im Brustbereich (Gefühle von Beklemmung, Druck, Enge)

Schnelle Ermüdung

Schwindel

Sehstörungen

Sinkende Belastbarkeit

Übelkeit

Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)

 

Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zählen Stress, Rauchen, Medikamente und psychische Belastungen. Hinzu kommen mangelnde Bewegung sowie eine ungesunde Ernährung. Konkret: Sowohl nährstoffarme als auch säureüberschüssige Mahlzeiten führen dazu, dass das Herz-Kreislaufsystem nachhaltig beeinträchtigt wird.

Aufklären will die Deutsche Herzstiftung mit Sitz in Frankfurt am Main – Initiator der der bundesweiten Herzwochen. Bis Dienstag, 30. November, läuft die Info-Kampagne zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Thema 2010: “Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen”. Die häufigste ihrer Form begründet das diesjährige Motto. Rund eine Million Bundesbürger leiden am Vorhofflimmern. In rund 1100 Veranstaltungen stellen Herz-Experten Infomaterial vor, das über den Stand der Kardiologie und Herzchirurgie Auskunft gibt. Der Rat der Deutschen Herzstiftung: Regelmäßiger Sport, Verzicht aufs Rauchen und eine ausgewogene Ernährung können “das Risiko für einen Herzinfarkt entscheidend senken”.

Warnungen betreffen vor allem Diabetiker. Denn: Patienten mit dem Diabetes mellitus Typ 2 haben ein bis zu fünffach höheres Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Dieses Risiko senkt die Lebenserwartung um sieben bis zehn Jahre und erhöht die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzinfarkt zu sterben. Konkret: Für das Jahr 2050 werden weltweit 330 Millionen Diabetes-Erkrankungen vorhergesagt – drei Prozent der voraussichtlichen Weltbevölkerung zu diesem Zeitpunkt.

Vor diesem Hintergrund verweist die European Society of Cardiology (ESC) auf wesentliche Faktoren, die bei diesen bereits vorbelasteten Patienten Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen: Dazu zählen erhöhte Lipidwerte, Gefäßwand-Entzündungen, hoher Blutdruck, das Rauchen. Was kann der Patient tun? Die Society empfiehlt eine ausgewogene Ernährung, regelmäßigen Sport, Einschränkung des Alkoholkonsums sowie Nikotinkarenz.

 

Ein gesunder Lebenswandel

In diesem Sinne hat der finnische Gesundheitsforscher Pekka Puska (64) seinen Landsleuten in der Region Nordkarelien zu einem neuen Lebenswandel verholfen. Der jetzt mit der “Seneca” -Medaille des Düsseldorfer Industrie-Clubs ausgezeichnete Mediziner kämpft gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die seiner Ansicht nach vermeidbar sind. Die “Seneca”-Medaille für Alternsforschung ehrt Puskas Langzeit-Projekt mit Pionier-Charakter: Als erster Mediziner brachte Puska einer ganzen Region bei, gesund zu leben. In seiner 25 Jahre dauernden Studie hat der Mediziner den Lebensstil der Bewohner derart beeinflusst, dass die Sterberate bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Männern im arbeitsfähigen Alter zurückging – um mehr als 80 Prozent. Puskas Credo: Prävention ist möglich.

Zum Hintergrund: Bis in die siebziger Jahre hinein hielt Nordkarelien einen Negativ-Rekord - die weltweit höchste Todesrate bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mediziner Puska wies nach, dass entsprechende gesundheitliche Probleme vor allem auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen sind. Nach dem Befund in den 16 ostfinnischen Dörfern brachte er dank Aufklärungskampagnen die Bewohner dazu, sich mehr zu bewegen, fettärmer zu essen, das Rauchen aufzugeben. Auch Handel und Nahrungsmittel-Industrie machten mit – und nahmen cholesterinfreie Produkte ins Angebot auf. Der Präsident des Industrie-Clubs, Joachim Scheele, zählt jetzt auf den grenzübergreifenden Impuls der finnischen Langzeit-Studie: “Die Ergebnisse sind auch auf andere Wirtschaftsregionen wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen übertragbar.”

 

Das Programm der KKH-Allianz

Die Krankenkasse nimmt sich der Patienten mit Bewegungsprogrammen an: “Wir lassen Ihr Herz höher schlagen!” Schwerpunkt: Förderung der Herz-Kreislauf-Funktion. Das präventive Herz-Kreislauf-Training umfasst schonende und ausdauerorientierte Alternativen wie Walking, Nordic Walking, Jogging, Aquajogging und Aquafitness.

Informationen zu den Herzwochen: http://www.herzstiftung.de/Herzwochen-2010.html


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