Placebo-Effekt: Fast ein Wunder

Vielfach belächelt: Medikamente ohne Wirkstoff sollen den Patienten wirklich heilen?  Bislang war der Placebo-Effekt ausschließlich in kontrollierten klinischen Studien bei der Entwicklung von Medikamenten zu Hause. Nun hält er Einzug in die deutschen Arztpraxen.

Schon die Übersetzung aus dem Lateinischen („ich werde gefallen“) deutet eine mangelnde wissenschaftliche Basis für das Ergebnis des Effekts hin, dass nämlich Patienten schon durch ein schlichtes Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens einen Heilungsprozess erleben können. Oder gar durch die Einnahme eines Medikaments ohne Wirkstoff die Heilung noch mehr verstärken.

Wie die FAZ vom 4.8.2010 berichtet, fordern neue wissenschaftliche Studien die intensive Beschäftigung mit diesem Phänomen, während der Placebo-Effekt bislang nur bei klinischen Studien sein zu Hause hatte, wo Probanden neben dem neuen Medikament mit Wirkstoff auch eine „leere“ Tablette einnahmen. Bereits der schlichte Arztbesuch und ein intensives Gespräch könne zur Linderung beitragen und dies sei nur wenigen Ärzten bewusst. So fordert der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer ausdrücklich (Deutsches Ärzteblatt, Bd. 107, S. A1417), den Placebo-Effekt „gezielter als bislang zu nützen.“ Hierzu führt Robert Jütte von der Robert-Bosch-Stiftung aus, dass ein „durch Vertrauen ausgelöster Placebo-Effekt erwünschte Arzneimittelwirkungen maximieren, unerwünschte Wirkungen reduzieren und zur effizienteren Nutzung der finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen betragen“, könnte.

Als Erklärung gelten der assoziative und mentalistische Ansatz. Hat der Patient bei seinen Arztbesuchen wiederholt erfahren, dass es ihm danach besser geht, wird er mit dieser positiven Einstellung immer wieder seinen Arzt aufsuchen und unbewusst eine Heilung erwarten. Beim zweiten Ansatz geht es um das Ausmaß dieser Erwartungen. Je größer sie sind, umso deutlicher ist die Wirkung auf die Heilung. Beide Ansätze haben logischerweise die Folge, dass der Beziehung zwischen Arzt und Patient wieder ein höherer Stellenwert eingeräumt werden muss. Jütte weist darauf hin, dass die zunehmende Inanspruchnahme von Homöopathen und Heilpraktikern eine Reaktion derjenigen Patienten sei, die mangelndes Vertrauen zu ihrem Arzt haben.

Der Wissenschaftliche Beirat betont, dass dem Patienten selbstverständlich keine wirkungsvollen Therapien verwehrt bleiben dürften und die betreffenden Beschwerden, die durch einen Placebo-Effekt geheilt werden sollten, müssten gering sein.

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