Täglich werden in Deutschland 800 Tonnen Natriumchlorid (NaCl) verkauft. Von dieser auch als Speise- oder Kochsalz bekannten chemischen Verbindung konsumiert jeder Bundesbürger Schätzungen zufolge durchschnittlich 8-12 Gramm am Tag. Eine Tagesmenge, die im Verdacht steht Bluthochdruck zu fördern und damit eine Gefahr für die Gesundheit darzustellen.
Als einen der „längsten, giftigsten und surrealsten Dispute der Medizin“ bezeichnete ein Gastkommentator des Wissenschaftsjournals „Science“ die Debatte darüber, ob übermäßiger Salzkonsum ein Gesundheitsrisiko für den Menschen ist und welche Mengen an Speisesalz optimal für eine gesunde Ernährung sind.
Denn während in Deutschland der Kardiologe Martin Middeke vom Blutdruckinstitut München die übermäßige Aufnahme von Speisesalz durch die Nahrung als einen signifikanten Faktor für einen zu hohen Blutdruck betrachtet, sieht der Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Gesundheitsforschung im sächsischen Bad Elster Karl-Ludwig Resch die Kausalität von erhöhtem Salzkonsum und höherer Sterblichkeit als absolut nicht erwiesen. Beide Fachleute wurden erst im vergangenen Jahr vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zu einer Anhörung vorgeladen, durch die man sich Erkenntnisse hinsichtlich des vom Salz ausgehenden Gesundheitsrisikos erhoffte.
Doch obwohl im selben Jahr eine Metaanalyse mit 177.025 Teilnehmern zu dem Ergebnis gelangte, dass ein hoher Salzverbrauch ein bedeutend höheres Risiko für einen Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen generiere und die Europäische Kommission bereits im Jahr 2008 empfahl, den Salzkonsum um 16% zu senken, wollte das BMELV daraus keinerlei bindenden Konsequenzen ziehen. So wurden nach eigenen Angaben bis jetzt keine Verhandlungen mit der Industrie um eine mögliche Salzreduktion in Lebensmitteln aufgenommen. Ebenso scheiterte kürzlich die Einführung einer europaweiten „Lebensmittel-Ampel“. Diese hätte zur Folge gehabt, dass besonders salzhaltige Produkte mit einem alarmierenden Rot gekennzeichnet worden wären.
Einzig bei der Bewertung von Fertigprodukten stimmen Resch und Middeke überein.
Denn Resch attestiert, dass gerade Fertignahrung, die er als qualitativ schlecht einordnet, viel Salz enthält. Allerdings setzt er nach, dass die Konzentration auf Natriumchlorid (NaCl) allein nur von der eigentlichen Problematik ablenke: einer unausgewogenen, also schlechten Ernährung.
Dass dem vielleicht nicht so ist, zeigen die Angaben und Richtlinien der Website des BMELV. Hier wird unter Punkt 6 der 10 Regeln für vollwertiges Essen und Trinken der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf die Verwendung von „wenig Salz“ gedrängt. Und auch bei den Richtwerten für die Tageszufuhr des BMELV wird auf einen Richtwert von 6g Salz pro Tag verwiesen. Die Einhaltung dieses Richtwertes würde je nach Schätzung eine Senkung von 25-50% des momentanen deutschen Tagesverbrauchs bedeuten. Weitaus mehr als zuletzt von der EU gefordert.
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Tags: Bluthochdruck, Herz, Herz-Kreislauferkrankungen, Herzinfarkt, Salz