Oft aber kurz – Die Deutschen beim Arzt

Während die Deutschen den Titel als Fußballweltmeister erst noch erkämpfen müssen, sind sie in einer anderen Disziplin schon an der Spitze: bei Arztbesuchen. Das geht aus dem nun veröffentlichten Arztreport der Barmer GEK hervor.
2008 ging jeder Bundesbürger im Durchschnitt 18,1 Mal zum Arzt. Etwa alle drei Wochen sitzt der Deutsche also im Wartezimmer. Nur rund 7 Prozent setzten ihren Fuß überhaupt nicht in eine Praxis. Zum Vergleich: der durchschnittliche Norweger begnügt sich mit drei Arztbesuchen.
An der großen Zuwendung scheinen diese Zahlen nicht zu liegen. Im Schnitt hat ein Arzt nur etwa acht Minuten für jeden Patienten Zeit. Bei laut Arztreport rund 45 Patienten pro Tag und Arzt wird das Sprechzimmer zur Massenabfertigungshalle. Umso auffälliger ist die hohe Zahl der Diagnosen, die in solch kurzer Zeit gestellt werden. Rund die Hälfte der Deutschen leidet an Krankheiten des Muskel- und Skelett-Systems und Atemwegserkrankungen. 33 Millionen Bundesbürger haben Probleme mit dem Kreislauf und 24 Millionen wiesen psychische und Verhaltensstörungen auf. Nur acht Prozent erhielten gar keine Diagnose, dafür hat jeder 30. mehr als 31 Diagnosen. Wer in Deutschland zum Arzt geht, kann also mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, in kürzester Zeit möglichst viele Diagnosen präsentiert zu bekommen und daraufhin von Facharzt zu Facharzt geschickt zu werden.

Der Hausarzt als Lotse

Obwohl die Politik unisono seit Jahren ein Ende dieses Zustandes fordert, hat sich der Trend in den letzten Jahren noch verschärft. Der zum 1. Juli 2009 eingeführte Hausarztvertrag, der dem Hausarzt eine Art Lotsenrolle bei Diagnose und Therapie zuweist, ist erst bei wenigen Krankenkassen Realität. Das liegt daran, dass der Hausärzteverband in den Verhandlungen mit den Kassen vor allem höhere Honorare durchsetzen wollte. Rolf-Ulrich Schlenker, der Vorsitzende der Barmer GEK, sprach von einer Sackgasse, in der sich die Verhandlungen befinden. Die Wirkung der Praxisgebühr bezeichnete Schlenker ebenfalls als „fraglich“. Stattdessen sollen in Zukunft dreiseitige Verhandlungen zwischen Krankenkassen, Hausarztverbänden und Kassenärztlichen Vereinigungen für mehr Steuerung und weniger Doppeluntersuchungen sorgen.
Dem Hausarzt soll weiterhin die Schlüsselrolle zukommen. Er kennt – im Idealfall – seine Patienten am besten und weiß, wann eine Überweisung zu einem Fachkollegen oder ins Krankenhaus nötig ist.
Um auch auf dem Land eine flächendeckende medizinische Versorgung zu gewährleisten, sprach sich Schlenker für mehr Abstimmung zwischen niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und Kassen aus.

cz


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