von Caroline Methner
Wie viele Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an Grippe? Das Angebot der Statistiker ist breit: 5 000 – 8 000, 15 000, 16 000, 20 000, neuerdings im Warenkorb sogar erwartete
35 000. Zahlen, die glatt geeignet sind für ein Quiz, bei dem jede Antwort richtig (oder falsch) ist.
Volkskrankheit Grippe? Die Suche danach ist vergeblich; in der Hitliste dieser Krankheiten taucht sie nirgendwo auf zwischen Bluthochdruck, Krebs und Diabetes. Grippe ist ein Ding, das sich verbirgt, immer irgendwo lauert auf der Welt und dann vulkanartig hervorbricht. Sie kann mild verlaufen mit Schnupfen und Husten oder bösartig töten durch Lungenentzündung oder Herzinfarkt.
Weil man an einer normalen Grippe nicht stirbt – eigentlich – weil sie einen aber doch umbringen kann – manchmal – ist unsere Reaktion so schwankend wie die vermuteten Opferzahlen: Wahlweise verdrängen wir das Thema oder reagieren hysterisch wie bei allen Dingen, die uns hinterrücks überfallen..
Derzeit also H1N1, die Grippe der armen Schweine. Tendenz momentan hysterisch. Riesenaufregung um die Impfung, die die meisten nicht mal wollen. Das Robert-Koch-Institut bringt (vorerst) ein bisschen Ruhe in die Diskussion: bis Mitte Oktober 23 000 Infizierte, meist harmloser Verlauf, und zwei Tote. Denen ging es aber auch ohne die H1N1-Viren lebensbedrohlich schlecht.
Was dennoch bleibt: Grippe ist eine Krankheit, die sich immer wieder in ein neues Gewand wirft, aber nie in ein schönes. In so vielen Formen ist sie schon aufgetreten: Als Spanische Grippe forderte sie 1919 unter den vom 1. Weltkrieg Geschwächten 25 Millionen Opfer auf der Welt; durch die Hongkong-Grippe 1969 starben 30 000 Menschen in Deutschland; die Vogelgrippe vor vier Jahren forderte zum Glück weniger Opfer als befürchtet.
Aug’ in Auge mit der Schweinegrippe bleibt im Moment nur zu sagen: Alle Grippen sind gleich, aber manche sind gleicher… möge die gegenwärtige eine von der sanfteren Art sein. Und wenn es danach geht, über welche Krankheit im Volk geredet wird, dann ist die Grippe als Volkskrankheit ganz vorne mit dabei. Schließlich ist es besser, drüber zu reden als drunter zu leiden.









