Interview mit Sven Seißelberg, Apotheker und Experte bei der KKH-Allianz
Der H1N1-Grippe-Impfstoff wird jetzt von den Bundesländern bestellt. Ist das der Impfstoff gegen die derzeit grassierende Schweinegrippe?
Ja, allerdings ist er noch nicht produziert. Eine Impfung kann erst erfolgen, sobald er fertig gestellt ist.
Wie kann man sich mit dem H1N1-Virus anstecken?
Die Ansteckung ist hauptsächlich auf zwei Wegen möglich:
* über virushaltige Tröpfchen, wie sie beim Husten oder Niesen entstehen oder
* über die Hände, vor allem beim Händeschütteln, oder über kontaminierte Gegenstände.
Besonders kritisch ist der Bereich im Umkreis von zwei Metern um den Infizierten.
Wann wird der Impfstoff gegen die Schweinegrippe fertig gestellt sein?
Laut Ulla Schmidt ist mit einer Auslieferung des Impfstoffes gegen das Schweinegrippe-Virus A (H1N1) im September, spätestens Oktober dieses Jahres zu rechnen.
Warum ist es so schwierig, diesen Impfstoff herzustellen?
Die Entwicklung eines Impfstoffes ist ein recht komplizierter und zeitaufwendiger Vorgang, der mehrere Monate andauern kann. So muss beispielsweise die Verträglichkeit getestet werden.
Wenn ich mich impfen lassen möchte, bezahlt das die Krankenkasse?
Sobald der neue Impfstoff zugelassen ist, sind die Kassen auch leistungspflichtig. Im Falle einer Pandemie kann es jedoch auch zu einer Kostenteilung zwischen den Ländern und den Krankenkassen kommen.
Wo kann ich mich impfen lassen?
Laut der Schutzimpfungs-Richtlinie können Ärzte diese Impfung erbringen, die nach den berufsrechtlichen Bestimmungen über eine entsprechende Qualifikation verfügen. Zur Abrechnung über die Krankenkasse muss der Arzt grundsätzlich über eine Kassenzulassung verfügen.
Gibt es Nebenwirkungen der Impfung?
Über Nebenwirkungen sind keine Aussagen möglich, da es den Impfstoff noch nicht gibt. Vermutlich werden sich die Nebenwirkungen im Rahmen der normalen Grippeschutzimpfung bewegen.
Wann sollte ich mich impfen lassen?
Geimpft werden im ersten Durchgang all die Menschen, die aufgrund ihres Berufs in Kontakt zu Infizierten kommen könnten. Hierzu gehören insbesondere Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind, bei der Feuerwehr, Polizei und auch bei Rettungsdiensten arbeiten. Darüber hinaus erfolgt eine Impfung gegen das H1N1-Virus bei Risikogruppen wie chronisch Kranken, darunter Diabetiker und Asthmakranke, schwer Übergewichtigen sowie Schwangeren.
Wer nicht zu diesen Risikogruppen zählt, kann sich ebenfalls impfen lassen. Hier ist mit einer gewissen Wartezeit zu rechnen, da zunächst nur für etwa 25 Millionen Menschen Impfstoff zur Verfügung stehen wird.
Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass eine Impfung gegen die Schweinegrippe freiwillig ist.
Schützt mich die Impfung vor Ansteckung mit der Schweinegrippe?
Grundsätzlich ja, aber zum einen ist nicht bei jedem eine 100-prozentige Sicherheit der Impfung gegeben. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass sich der Erreger genetisch verändert und somit kein Impfschutz mehr gewährleistet ist.
Warum gibt es nur Impfstoff für 25 Millionen Deutsche und nicht für 80 Millionen?
Vertreter von Bund und Ländern haben sich in Deutschland darauf geeinigt, gemäß der WHO-Empfehlung zunächst etwa ein Drittel der Bürger gegen das Schweinegrippe-Virus zu impfen. Für Deutschland besteht allerdings die Option, die gesamte Bevölkerung zweimal durchimpfen zu lassen.
Die voraussichtlich im Herbst stattfindende Impfaktion der Bevölkerung wird die größte in Deutschland seit fast 50 Jahren sein. Damals erhielt 60 Millionen Bürger eine Schluckimpfung gegen Polio.
Ist die Schweinegrippe immer tödlich?
Nein. Allerdings ist das Risiko für ältere Menschen, Personen mit Grunderkrankungen sowie Schwangere am höchsten. Bei ihnen kann es häufiger zu Komplikationen, wie zum Beispiel Lungenentzündung, und insbesondere bei älteren Menschen zum Todesfall kommen.
Katharina von Borcke
Tipps, wie sich der Einzelne vor einer Ansteckung schützen kann, sind auf unserer Internetseite www.kkh-allianz.de nachzulesen unter >Versicherte >Information & Wissen >Aktuelles.
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