Nach monatelangen Vertragsverhandlungen haben MEDI Baden-Württemberg, die AOK Baden-Württemberg und der Landesverband des Deutschen Hausärzteverbands den deutschlandweit ersten Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung zwischen einer Krankenkasse und freien Ärzteverbänden ohne Beteiligung einer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) unterzeichnet.
“Dieser Vertrag verbessert die Arbeitsbedingungen in den Praxen, garantiert den teilnehmenden Hausärzten eine feste Vergütung in Euro und sichert den AOK-Patienten die hausärztliche Versorgung in Baden-Württemberg”, lobte Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender des MEDI Verbunds, die neue Zusammenarbeit. Und Werner Conrad, Geschäftsführer der MEDIVERBUND Dienstleistungs GmbH, fügte hinzu: “Die Ärzte werden wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben, da der Vertrag ein Minimum an Verwaltungsarbeit erfordert.”
Bisher bekommt ein Hausarzt in Baden-Württemberg unter Berücksichtigung aller Leistungen im Schnitt rund 55 Euro im Quartal. Künftig werden es durchschnittlich 78 Euro sein, wobei besonders die Praxen mit vielen chronisch Kranken deutlich besser vergütet werden als bisher und auf Fallwerte von über 100 Euro kommen können. “Es wird keine Fallzahlzuwachsbegrenzung für die AOK-Versicherten geben”, erklärte Baumgärtner und verwies auf gute Perspektiven für diese, “denn bisher fand mancher AOK-Patient keinen Hausarzt in seiner Nähe oder wurde auf das nächste Quartal vertröstet, weil das Fallzahlkontingent aufgebraucht war.” Conrad ergänzte: “Das Abrechnungsverfahren ist einfacher und transparenter als das in der KV. Da der Arzt nun eine planbare und höhere Vergütung bekommt, kann er für notwendige Praxis-Investitionen, wie zusätzliches Personal oder Geräteneuanschaffungen, besser kalkulieren.” Deshalb rechnen beide mit einer hohen Teilnahme am Vertrag, sowohl von Ärzte- als auch von Patientenseite.
“Mit dem neuen Vertrag zeigt uns die AOK auch, dass sie die wohnortnahe ambulante Versorgung mit freiberuflichen Arztpraxen erhalten möchte und unsere Existenzsorgen ernst nimmt”, so Baumgärtner weiter. Darüber hinaus mache der Vertrag die hausärztliche Tätigkeit wieder attraktiver. “Die sprechende Medizin wird wieder gefördert, was im Hinblick auf den fortschreitenden Hausärztemangel sehr wichtig ist.” Für MEDI gehen die Kooperationsgespräche mit der Landes-AOK weiter: Da auch Fachärzte Mitglied im Verbund sind, werden MEDI und die AOK demnächst in neue Verhandlungen zur Einbindung der fachärztlichen Versorgung (§ 73c SGB V) treten. “Nur indem wir auch für unsere Fachärzte bessere Rahmenbedingungen aushandeln, können wir den Menschen eine umfassende wohnortnahe ambulante Versorgung bieten”, waren sich Baumgärtner und Conrad einig. “Wenn sich starke Ärzteorganisationen zusammenschließen, laufen Verträge zu besseren Konditionen auch ohne KVen und große Kontrollposten.”
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