Jugenddroge Alkohol

Wenn Jugendliche zur Flasche greifen, dann exzessiv – das ist das Ergebnis des aktuellen Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung. Zwar ist die Zahl derjenigen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren, die wöchentlich mindestens ein alkoholisches Getränk zu sich genommen haben, von 21,2% in 2004 auf 17,4% zurückgegangen.
Aber gegenüber dem allgemeinen Rückgang beim Trinken steht die Zunahme beim exzessiven Alkoholkonsum: 23.165 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 wurden mit Verdacht auf Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert – das ist eine Zunahme um 143%!

Da die Daten des Suchtberichtes sich immer auf das vorvergangene Jahr beziehen und fast ein Jahr lang ausgewertet werden, sind dies die Zahlen aus dem Jahr 2007, dem Jahr der großen Diskussionen über das „Binge-Drinking“ oder Komasaufen – ob sich nach der Debatte der vergangenen zweieinhalb Jahre also etwas geändert hat, geht aus dem aktuellen Bericht nicht hervor.

Angesichts der Steigerungsrate bei der Einlieferung ins Krankenhaus fordert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing: „Diese Zahlen machen deutlich: Kinder und Jugendliche müssen besser vor alkoholbedingten Gesundheitsschäden und Suchtgefahren geschützt werden. Wir müssen handeln, damit Kinder und Jugendliche nicht auf diese Weise ihre Gesundheit schädigen oder in den Kreislauf der Sucht geraten!“

Bei derartigen Appellen wird es aber wohl bleiben. Das „nationale Aktionsprogramm“, das die Drogenbeauftragte vorgeschlagen hatte, hat es erst gar nicht ins Bundeskabinett geschafft. Es beinhaltete eine intensivere Kooperation aller beteiligten Stellen, um Minderjährige besser vor den Folgen von Alkohol zu schützen, insbesondere ging es um Alkoholwerbung, Testkäufe durch Jugendliche und bessere Aufklärung. Wie der Tagesspiegel erläutert, sind Alkoholverbote und vergleichbare Beschränkungen allerdings Ländersache. Gegenüber der Zeitung äußerte zum Beispiel die Berliner Gesundheitsverwaltung, das Jugendschutzgesetz verbiete ohnehin den Verkauf alkoholischer Getränke an unter 16-Jährige, es müsse nur strikt eingehalten und kontrolliert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein derartiges Aktionsprogramm mittelfristig aufgelegt wird, ist also gering.

Wie notwendig wenigstens einzelne Aspekte dieses Aktionsplans wären, zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag des DAK, über die DIE ZEIT berichtet: Jugendliche, die häufig Alkoholwerbung sehen, trinken mehr. Um die Wechselwirkung klar zu definieren hat sich die Studie auch mit dem Umkehrschluss beschäftigt: Jugendliche, die viel trinken, behalten Markennamen und Werbeslogans von Alkoholprodukten besser. Die Autoren der Studie warnen eindringlich, über ein Werbeverbot für Alkohol nachzudenken.

Bewegung kommt jetzt durch EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou in die Debatte: In ihrer Initiative „Alkohol und Gesundheit“ sammelt die EU Selbstverpflichtungserklärungen von Unternehmen und Verbänden im Gesundheitsbereich, aber auch von Alkoholherstellern und Handelsketten.

SL


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